Vor einer äußerst schweren Aufgabe steht die HSG Krefeld am Samstagabend. Für die Eagles nämlich geht es zu einem der traditionsreichsten Handballvereine in Deutschland. Erstmals in seiner langen Historie ist der VfL Gummersbach in dieser Saison nicht erstklassig. Deutsche Meisterschaften, Europapokalsiege und viele, viele Siege zieren die illustere und lange Geschichte des VfL. „Wenn uns vor zwei, drei Jahren jemand gesagt hätte, dass wir mal in einem Punktspiel gegen die Erste von Gummersbach spielen, dann hätten wir das nicht unbedingt geglaubt“, sagte HSG-Kapitän Tim Gentges unter der Woche lachend. Doch am Samstag wird es so weit sein.

Es ist also ein Spiel zwischen einem Verein, der in seiner Historie bis zum Sommer immer nur erstklassig war, gegen einen Gegner, der zum allerersten Mal überhaupt in die Zweitklassigkeit aufgestiegen ist.

Ganz so klar, wie diese Statistik anzudeuten scheint, sind die Rollen jedoch nicht verteilt. Sicher ist der VfL klarer Favorit, doch mit 9:7 Punkten ist die Ausbeute der Oberbergischen nicht so gut, wie Mancher das möglicherweise vor der Saison erwartet hatte. Allerdings, und das ist keine gute Nachricht für die Eagles, ist der VfL in heimischer Halle bislang ungeschlagen in dieser Spielzeit. Lediglich am ersten Spieltag gegen Tabellenführer TuSEM Essen wurde ein Zähler abgegeben. Gefährlich ist vor allem der Rückraum um Alexander Hermann (41 Tore) und Janko Bozovic (32). Dazwischen schiebt sich noch Linksaußen Marvin Sommer, der jedoch 15 seiner 33 Treffer vom Siebenmeterpunkt erzielte. Die Krefelder haben zwar mit KC Brüren (39 Tore) einen Spieler, der in ähnlichen Regionen liegt, allerdings verbuchte auch er mit 18 fast die Hälfte seiner Treffer vom Punkt. Außerdem ist dahinter der Abfall deutlich größer. Rang zwei der internen Torjägerwertung belegt Simon Ciupinski mit 23 Treffern vor Toni Sario, der zehn seiner 15 Tore in nur einem Spiel verbuchte. Das belegt, dass weiterhin das Problem des Tabellenletzten vor allem in der Offensive liegt. Aber, und hier liegt die Chance und die Hoffnung der Schwarz-Gelben: In den vergangenen Spielen wurde die Offensivleistung immer besser. Gegen Dormagen legten die Eagles nicht nur ihren ersten Sieg hin, sie knackten auch erstmals nach dem Aufstieg die 30-Tore-Marke.

In Gummersbach wird es darauf ankommen, hier anzuknüpfen und vor allem im Umschaltspiel hellwach zu sein, um – wie gegen Dormagen – endlich dauerhaft Erfolge im Gegenstoß und der ersten Welle zu verbuchen. Wichtiger aber ist die Defensive, wo der angeschlagene Damian Janus fraglich ist. Auch Außen Karl Roosna wird noch nicht fit sein und Sebastian Schöneseiffen und Max Zimmermann fallen ohnehin noch langfristig aus.

Die Ausgangssituation für die Eagles ist also klar: Sie haben keine Chance – und genau die wollen sie nutzen, um den ersten Sieg gleich in eine kleine Serie zu verwandeln und ein Ausrufezeichen an die Liga, aber auch sich selbst zu senden. Zu verlieren hat das Team im Bergischen nichts. Zu gewinnen aber sehr viel.