Wenn am Samstagabend um 19 Uhr die HSG Krefeld den TuS N-Lübbecke zum ersten Heim-Pflichtspiel des neuen Jahres empfängt, dann sind die Rollen klar verteilt: Hier der abgeschlagene Tabellenletzte, dort der Tabellen-Sechste, der bei vier Punkten Rückstand auf Rang Zwei durchaus noch realistische Aufstiegschancen hat. Entsprechend groß ist der Respekt in Reihen der Eagles vor dem ehemaligen Bundesligisten, der als TuS Nettelstedt und unter dem aktuellen Namen 800 Mal in der Erstklassigkeit antrat. Doch auch die Eagles selbst gehen trotz der Niederlage im Kellerduell beim TV Emsdetten durchaus optimistisch in die Begegnung. Immerhin zeigt das Team seit Wochen einen Aufwärtstrend. Allerdings sorgt die anhaltende Verjüngung des Kaders mit Talenten wie Paul Dreyer, Sven Eberlein und Paul Skorupa bei gleichzeitigen Abgängen erfahrenerer Kräfte wie David Hansen, Toni Sario oder Paul Keutmann gleichzeitig naturgemäß in der ein oder anderen Situation für eine gewisse Unbedarftheit. Diese aber wollen die Eagles im Spiel gegen den großen Favoriten durch umso größeren Kampfgeist ausgleichen.

Für Fans der Gelb-Schwarzen bietet sich damit auch die Chance, gleich drei neue Spieler erstmals persönlich in Augenschein zu nehmen, denn auch der erst heute verpflichtete Skorupa wird im Kader stehen. Die Lizenz durch die HBL wurde bereits erteilt. Der Vorverkauf für die Begegnung verläuft bislang durchaus zufriedenstellend bis gut. Bereits rund 500 Tickets wurden aktuell abgesetzt. In Reihen der Gäste fehlt der eine alles überragende Spieler, auf den sich eine Abwehr konzentrieren könnte. Vielmehr baut Trainer Emir Kurtagic auf einen ausgeglichenen Kader. Toptorjäger ist Rechtsaußen Peter Strohsack mit 90 Treffern. Rückraumspieler Valentin Sprohn allerdings ist ihm mit 80 Treffern dicht auf den Fersen. Beide machten die überwiegende Zahl ihrer Treffer aus dem Spiel. Nur 15 (Strohsack) bzw. 4 (Sprohn) Treffer fielen vom Siebenmeter-Punkt. Auch dahinter ist zwischen Marian Orlowski (RL, 56/10), Jo Gerrit Genz (RR, 55/1) und Jens Bechtloff (LA, 52/16) kaum ein erkennbares Gefälle vorhanden, was die Torgefährlichkeit angeht.

„Lübbecke lässt sich nicht auf einzelne Spieler herunterbrechen. Sie sind einfach in der Breite individuell sehr gut besetzt und haben nicht umsonst vor nicht allzu langer Zeit noch in der ersten Liga gespielt. Sie haben in Emir Kurtagic auch einen sehr erfahrenen Trainer und eine sehr große und kompakte Abwehr und versuchen, viele leichte Tore durch Tempogegenstöße zu erzielen. Da müssen wir auf der Hut sein und vor allem leichte Fehler vermeiden. Außerdem gilt es, selbst aggressiv in der Abwehr zu stehen“, gibt Eagles-Trainer Felix Linden den Fahrplan vor.

Mit diesen Tugenden soll es gelingen, zum zweiten Mal in dieser Saison zu punkten. Immerhin liegt auch Bayer Dormagen, gegen das der erste Sieg gelang, nur zwei Zähler hinter den Ostwestfalen. Die Vorfreude im Lager der HSG auf den ersten Auftritt des Jahres am Glockenspitz jedenfalls ist groß. Mit einer tollen Kulisse im Rücken will das zunehmend verjüngte Team die notwendige Euphorie entwickeln, dem großen Favoriten ein Bein zu stellen und noch einmal ein deutliches Lebenszeichen zu senden.