Das Wichtigste vorweg: Die HSG Krefeld-Niederrhein hat die abschließende Hinrundenbegegnung bei der ESG Gensungen/Felsberg nach großem Kampf am Ende knapp mit 30:29 (16:18) gewonnen. Dabei aber war es für beide Teams kein normales Spiel. Während der Anfahrt erreichte die Eagles die Meldung, dass es im Team des Gegners zu einem positiven Corona-Test gekommen war. Kurz vor der Ankunft, gab es die Bestätigung einer zweiten Positivmeldung.

Noch vor der zweiten Positivmeldung stellte HSG Vorsitzende Dr. Simon Krivec in einem Gespräch mit der Mannschaft - 80 km vor dem Fahrtziel an einem Rastplatz der A45 - den Spielern frei, das Spiel abzusagen.

In weiteren Gesprächen vor Ort mit der Heimmannschaft, Schiedsrichtern und DHB und vor dem Hintergrund der zweiten Meldung wurde seitens der Vereinsführung nochmals jedem Spieler freigestellt, ob er spielen möchte. „Wir hätten jede Entscheidung der Mannschaft mitgetragen“, so Simon Krivec. „Am Ende steht die Gesundheit unserer Spieler an erster Stelle. Umso mehr ziehe ich den Hut vor der Entscheidung der Mannschaft, sich dieser schwierigen und undurchsichtigen Situation zu stellen. Ebenso respektiere ich die Entscheidung der Spieler, die sich gegen ein Auflaufen ausgesprochen haben. Auch dazu gehört Courage.“

„Das war für die Jungs natürlich mental unglaublich schwierig. Von einer normalen Spielvorbereitung ist da nicht zu reden. Eigentlich war erst beim Einlauf wirklich klar: Das Spiel findet statt. Entsprechend bin ich sehr stolz, dass meine Jungs trotz dieser schwierigen und belastenden Situation die Partie für sich entschieden haben“, erläutert Eagles-Trainer Maik Pallach das Problem.

So kam es denn auch vor und nach dem Spiel zu Szenen, die bei einigen Beobachtern negativ ankamen. „Die Spieler, die letztlich aufgelaufen sind, waren alle kurz vor dem Spiel negativ getestet. Dennoch wurde in der Besprechung vor dem Spiel mit den Offiziellen und der sportlichen Leitung Gensungen/Felsbergs vereinbart, dass es vor und nach dem Spiel aus hygienischen und Sicherheitsgründen keinen Handshake geben wird. Auch wurde beschlossen, dass wir das Feld und die Halle sofort nach Spielende verlassen werden und so den Kontakt auf das unbedingt nötige Mindestmaß reduzieren. Es handelte sich also um eine beidseitig vereinbarte Maßnahme des Infektionsschutzes und in keiner Weise um eine Missachtung des Gegners oder fehlenden sportlicher Fairness. Es ist uns ganz wichtig, diesem Eindruck entgegen zu wirken“, erläutert Eagles-Geschäftsführer André Schicks die komplizierte und für die Spieler der Gelb-Schwarzen sehr belastende Situation.

Die Partie selbst ist schnell erzählt. Die Eagles kamen gut ins Spiel und führten nach gut zwölf Minuten in Anbetracht der Tabellensituation einigermaßen Standesgemäß mit 7:5. „Dann ist aber die Konzentration mehr und mehr verloren gegangen und wir haben Fehler gemacht, wie wir sie eigentlich, in normalen Spielen mit geregelter Vorbereitung, nicht machen. Das war ohne Frage dem ständigen Thema Corona, Ansteckungsgefahr und der Frage, ob überhaupt gespielt wird, geschuldet. Es war von Beginn an zu spüren, dass die Köpfe heute nicht frei waren“, sagt Pallach. In der Folge ging der Außenseiter in der 18. Minute sogar durch Maxim Schalles mit 10:9 in Führung. Die Eagles kämpften, glichen einen drei-Tore-Rückstand aus und standen gut eine Minute vor der Pause bei 16:16. Dann aber leisteten sie sich noch ein paar Unkonzentriertheiten, so dass der Vorletzte mit 18:16 in Führung und so in die Kabinen ging.

Nach dem Seitenwechsel war es dann ein Schlagabtausch, in dem Gensungen stets die Führung inne hatte und diese zwischenzeitlich sogar auf vier Treffer auszubauen vermochte (22:18, 40.). Die Gäste aber antworteten im Stile einer Spitzenmannschaft sofort mit einem 3:0-Lauf zum 21:22 und wechselten wenig später den Torwart. Lasse Hasenforther kam für Sven Bartmann. „Das sollte noch einmal einen Impuls setzen und Lasse hat es hervorragend gemacht“, analysiert der Eagles-Trainer, der außerdem taktisch umstellte. Den Innenblock bildeten nun Andrej Obranovic, Matija Mircic und Lars Jagieniak. Merten Krings wechselte in der Abwehr auf die Außenposition und auf Linksaußen setzte er auf Abwehr-Angriff-Wechsel. Das zeigte Wirkung und die Eagles kamen, wie erwähnt, heran. In der 50. Minute war es dann Kevin-Christopher Brüren, der mit einem verwandelten Siebenmeter den 25:25-Ausgleich herstellte. Bis zur 57. Minute blieb es dann dabei: Gensungen ging in Führung, die Gäste glichen aus. Dann aber verwandelte Jagieniak zur ersten Führung seit langer Zeit (29:28). Wieder glich der Außenseiter aus, doch gut eine Minute vor Schluss erzielte Pascal Noll das 30:29. Was folgte war eine Abwehrschlacht des Tabellenführers, die am Ende erfolgreich war. Entsprechend groß war der Jubel über den Erfolg, der zwar deutlich knapper ausfiel, als von vielen Beobachtern vermutet, der aber ein Sieg des Willens und der Moral war.

„Ich bin total zufrieden mit dem Spiel. Wichtig waren die beiden Punkte. Unsere große Hoffnung ist nun, dass sich hoffentlich niemand während des Spiels mit Corona infiziert hat. Es war eines der emotional härtesten Spiele, die ich überhaupt erlebt habe und die Jungs haben das wirklich gut gemacht“,, erklärt ein zufriedener Eagles-Trainer.

Damit hat die HSG Krefeld Niederrhein die Hinrunde mit nur einer Niederlage abgeschlossen und grüßt vor Beginn der Rückrunde in der kommenden Woche von der Tabellenspitze. Die Begegnung des heutigen Tages aber wird wohl jedem HSG-Spieler noch lange in Erinnerung bleiben. 

HSG: Hasenforther, Bartmann – Krings (5), Schnalle, Schneider (4), Noll (2), Hahn (7), Braun, Brüren (5/2), Jagieniak (5), Obranovic (2), Mircic